'Ist es Jazz ?' Das ist die Frage, die der gutgelaunte alte buddhistische Sack Jerry Granelli in den Liner Notes zu seiner Zusammenarbeit mit dem kanadischen Hip-Hoper Stinkin' Rich und einer Bande talentierter junger Burschen aufwirft. Ja, behaupte ich, aber was weiß ich schon? Die wirkliche Frage heißt, ist es gute Musik ? Verdammt, ja ! Granelli, ein Jazzer mit gewichtigem Background, bietet coole, schrille Rhythmen auf. Stinkin' Rich bearbeitet die Turntables und läßt irre Post-Beatnik- Spoken-Word-Brocken fallen [...], während die anderen eine hitzige Mélange elektrisierend-mysteriöser Musik entwerfen. Go on, let it have its way with you.""
Rupert Bottenberg, Montreal Mirror, 10/09/99
Das letzte Jahrzehnt ließ für den Schlagzeuger, Komponisten und Bandleader Jerry Granelli wenig zu wünschen übrig. Das Jazz Times Magazine nennt ihn einen Schlagzeug-Veteranen, der in keine Schublade paßt, der schon überall mitgemischt hat. Mit seiner jüngsten Veröffentlichung Music Has lts Way With Me macht er deutlich, daß damit noch lange nicht Schluß und von ihm noch einiges zu erwarten ist.
Granelli trommelt mit einer Intensität, die durch seine rastlose Jagd nach Spontanität bestimmt wird. Einer der viel erlebt hat, vom Strudel der Zeit mitgerissen wurde. Fakten verschwimmen im Nachhinein, Erfahrungen bleiben, Offenheit zählt. Seine letzten Veröffentlichungen sind alle Ergebnis seiner Zusammenarbeit mit Musikern, von denen viele nicht einmal halb so alt sind wie er. ""Music Has lts Way With Me"", das neue Album, vereint seine über 40jährige Erfahrung in der Welt des Jazz' mit der ungestümen 90er Jahre Attitüde des DJs Stinkin' Rich. Diese unbändige und leidenschaftliche Mischung ist neu. Der Stand der Dinge in Sachen Jazz.
Granellis Geschichte verläuft entlang der Entwicklung der Jazz Szene. 1940 in San Francisco geboren, beginnt die Legendenbildung im Jahr 1948 mit Gene Krupa. Die Begegnung mit ihm weckt die musikalische Leidenschaft des 8-jährige Granelli. Als Jugendlicher treibt er sich in den sagenumwobenen Nachtclubs San Franciscos, wie dem Blackhawk, Jimbo's Bop City und The Edge Water herum, saugt die Big Band Sounds eines Duke Ellington und Benny Goodman in sich auf. Er trifft Joe Morello, den Schlagzeuger von Dave Brubeck. Zwei Jahre ist Morellos Meisterschüler, dann geht er mit der Vince Guaraldi Band auf Tournee und ins Studio; und es ist unverkennbar Granellis Handschrift, die dem Titelsong zur 'Peanuts' Trickfilmserie diesen sicheren und swingenden Beat verleiht.
Auf den verschlungenen Pfaden der unbeständigen Jazz Szene der 60er Jahre wandelnd, schließt sich Granelli dem Denny Zeitlin Trio an und bildet gemeinsam mit Bassist Charlie Haden die Rhythmusgruppe. Als Studio- und Tourband erhalten sie 1965, gemeinsam mit der Miles Davis Group, den Titel 'Group of the Year', den die Kritiker/innen und Leser/innen des Downbeat Magazins vergeben. Mit seiner Band eröffnet Granelli die Shows des Komikers Lenny Bruce, womit er in gewisser Weise den Grundstein für ""Music Has lts Way With Me"" legt.
In den 60er und 70er Jahren spielt Granelli mit vielen der innovativsten Musikern der Szene: das Spektrum reicht von Ornette Coleman, Mose Allison, Lou Rawls über Sly Stone bis hin zu den Grateful Dead.
Während der 70er und 80er Jahre konzentriert sich Granelli auf das Unterrichten an verschiedenen angesehenen Instituten, wo er sein Insiderwissen Studierenden am Naropa Institut in Boulder, Colorado, am Cornish Institut in Seattle, am Konservatorium in Halifax, Nova Scotia sowie als Professor an der Hochschule der Künste in Berlin, zu vermitteln weiß. Mitte der 80er entstehen Aufnahmen u.a. im Trio mit Ralph Towner und Gary Peacock.
In den neunziger Jahren gelingt es Granelli besser als je zuvor, seine Energie zu bündeln. Mit seinem Qintett bestehend aus Jane Ira Bloom (Sopranosaxophon), Julian Priester (Posaune), Anthony Cox (Bass) und David Friedman (Vibes und Marimba) und dem Album ""Another Place"" beginnt er seine Zusammenarbeit mit Intuition Music. Sein auf Evidence veröffentlichtes Album ""A Song I Thought I Heard Buddy Sing"" ( die Band bestehend aus den Gitarristen Bill Frisell und Robben Ford, Kenny Garrett, Julian Priester und Anthony Cox) inspiriert von Michael Ondaatjes Roman ""Buddy Boldens Blues"" wird zum Meilenstein seiner Karriere. In den folgenden Jahren entwirft er in Zusammenarbeit mit seinem Quartett UFB, das aus den jungen Gitarristen Kai Brückner, Christian Kögel und dem Bassisten Andreas Walter besteht, eine eigenwillige Kombination aus Blues-, Funk-, Jazz- und Rockelementen. Heute ist Granelli kanadischer Staatsbürger und pendelt zwischen Berlin und Halifax. Dort kommt es zur ersten Begegnung mit dem Rapper und DJ Rich Terfry aka Buck 65, aka Stinkin' Rich. Rich gilt als eine zentrale Figur der kanandischen HipHop Szene und einer der talentiertesten und einflußreichsten HipHop Künstler Kanadas. Er veröffentlichte u.a. auf Toronto's 4 Ways to Rock, San FranciscosAnticon, Torontos Hand Solo und auf murderecords. Die Faszination beruht auf Gegenseitigkeit, Granellis Musik, seine Vorbehaltlosigkeit und Experimentierfreude eröffnen Terfry den Raum seine skurrile Poesie zu entfalten. Eine erster gemeinsamer Auftritt beim Atlantic Jazz Festival in Halifax N.S. begeistert Publikum und Kritiker gleichermaßen. Die Reaktionen auf diesen Auftritt veranlassen sie zunächst zu einigen Demo-Aufnahmen und schließlich zur Produktion des gemeinsamen Albums ""Music Has lts Way With Me"".
Jerry Granelli hat die Kluft zwischen den Generationen mit einem Album überbrückt, das den Bogen über die Musik der letzten 50 Jahre spannt, auf eine Art, die nur jemand drauf hat, der dabei gewesen ist. "
| Jerry Granelli: | drums, percussion |
|---|---|
| DJ Stinkin' Rich: | vocals, turntable |
| Jamie Saft: | moog, rhodes |
| Christian Kögel: | guitar |
| J. Anthony Granelli: | Bass |