Drei Mann in einem Groove. Elekrifizierende Groove-Jazz-Trios aus New York wie Medeski, Martin & Wood oder Vibes haben es vorgemacht. Das Hamburger Kleeblatt Groove Galaxi macht es nicht nach, sondern beschreibt eine ganz eigene galaktische Flugbahn, auf der es dem Kosmos seinen Puls ablauscht. Saxophonist Stefan Kuchel, Organist und Keyboarder Markus Kuczewski sowie Drummer und Sampling-Spezi Sönke Düwer haben die Reise in einen bisher unentdeckten Quadranten angetreten, von dem aus sie sphärisch dichte Ambient Sounds, eingängig introvertierte Jazzhooks und zurückhaltend packende Grooves zur Erde zurück beamen. ""Nichts ist frustrierender, als andere Bands nachzumachen"", erklärt Sönke Düwer die bewusste Entscheidung zu einer Eigenständigkeit, die man auf dem deutschen Jazzpflaster nicht eben an jeder Ecke findet.
Die Musik der Groove Galaxi steckt voller kreativer Kontraste, die auf Anhieb unter die Haut gehen. Technologie wird von Tradition durchzogen, Noblesse und beinahe aristokratische Eleganz bei der Findung von Ton und Timbre paaren sich mit Coolness, Lust am Spiel und einem ausgeprägten Fingerspitzengefühl dafür, wie man ein Publikum am besten aus der Reserve lockt. Sie suchen die Hitze des Grooves und breiten sich in galaktischen Weiten aus. Raum und Dynamik sind die prägenden Merkmale der Groove Galaxi. Zuweilen machen die Tracks des Albums staunen, dass die Band überhaupt den Begriff Groove im Namen führt, doch nichts ist hier offensichtlich, sondern liebevoll in einen Gesamtkontext verwoben, der den Jazz des neuen Jahrtausends adäquat beschreibt. Steht in einem Stück der Groove unüberhörbar im Vorderund, ist er im nächsten nur als Ahnung wahrnehmbar, wird von Sönke Düwer voller verschmitzer Abenteuerlust umspielt oder liegt unterschwellig in einer Keyboardfarbe oder einer Saxophon-Figur.
Düwer, Kuczewski und Kuchel trafen sich in dieser Konstellation erstmalig 1999, um eigentlich ganz zwanglos ein Studio einzujammen. Da nach einer Initialzündung jedoch sofort ungeahnte chemische Prozesse zwischen den drei Musikern einsetzten, beschloss man, zusamenzubleiben, und das, obwohl alle drei aus völlig unterschiedlichen Umfeldern kamen. Kuchel ist ein Saxophonist, der mit allen Fusion-Wassern gewaschen ist. Kuczewski hingegen ist ein Naturtalent, das die Musik nimmt, wie sie kommt, und auf diese Weise einen ganzen Koffer voller Zauberformeln unter den Tasten verstaut hat. Schlagzeuger Sönke Düwer ist der Einzige, der Jazz studiert hat. Die Kompositionen stammen mit wenigen Ausnahmen aus seiner Feder, und das hört man. ""Ich schreibe eben nicht so, dass ein Solist sich bequem über dem Groove ausbreiten kann, denn bei uns geht es um nichts weniger als die solistische Einzelleistung"", so Düwer. ""Ich schreibe lieber eckiges Zeug, das immer wieder aus anderen Richtungen kommt.""
Wurde Jazz in der Vergangenheit als Klassik des 20. Jahrhunderts fehlinterpretiert, so machen Groove Galaxi deutlich, dass er die Potenz zum Pop des 21. Jahrhunderts in sich trägt. Bei der Produktion eines derart lebendigen Albums kam der Band zugute, dass sie sich in erster Linie als Live-Ensemble versteht. Den Besuchern des Hamburger Mojo Clubs, des Berliner A-Trane oder des Kölner Stadtgartens ist das Trio längst eine feste Größe. So brachten sie auch einen Track für die Mojo-Compilation ""Never Felt So Free"" aus dem Orbit mit. Auf dem Hamburger Jazzport Festival bestritten sie sogar einen gemeinsamen Abend mit dem Groovejazz-Altvorderen George Benson. Doch sie begeben sich auch in experientelle Fahrwasser, zum Beispiel wenn sie die Musik für das Unterwassermarionettentheaterstück ""Aqua X"" schreiben, das nicht zuletzt auf der Expo 2000 aufgeführt wurde. Zu den wenigen festen Regeln von Groove Galaxi gehört es, sich keinesfalls selbst Limits aufzuerlegen. So vermag das Trio ein Dance-Publikum ebenso in Verzückung zu versetzen wie auf Grundlage derselben Melodien einen völlig freien Set zu zaubern.
All diese höchst unterschiedlichen Erfahrungen fließen auf dem Album ""Groove Galaxi"" zusammen. Die Band bewegt sich nicht nur durch ganz unterschiedliche Aggregatzustände, sondern bewältigt auch verschiedene Raum-Zeit-Kontinuen. Unter der Hand der drei Spieler verändert die Musik permanent Form, Farbe und Konsistenz. Jedes Stück hat eine andere Fühlung und selbst innerhalb der Tracks ist man vor keiner Überraschung sicher. Wer nicht unvermutet abheben will, sollte auf jeden Fall einen Sicherheitsgurt anlegen, und wer in einer schön gespielten Passage nicht unversehens mit einem schmutzigen Noise-Partikel beworfen werden will, dem sei ein Schutzanzug empfohlen. Wer jedoch nach Ablegung aller Scheuklappen und Glaubensfragen ein visionäres Stück guter Musik in seiner ganzen Kraft und Schönheit auf sich prallen lassen will, der drehe einfach die Boxen auf, zähle rückwärts von zehn bis null und begebe sich mit Groove Galaxi auf eine einzigartige Reise in unendliche Weiten.
| Markus Kuczewski: | Organ, Keyboards |
|---|---|
| Norman Mohrholz: | Guitar |
| Soenke Duewer: | Drums |