Hang & Bass Project: Hang Pop!
Gleich mit ihrem ersten gemeinsamen Album erfinden zwei Hamburger Musiker ein neues musikalisches Genre: den Hang Pop. Und so lautet denn auch der programmatische Titel des aufwendig produzierten Albums: „Hang Pop !“. Dieser Begriff bildet allerdings nur die lose Klammer für eine Musik, die sich letztlich jeder Kategorisierung entzieht, denn die einzelnen Titel des Albums enthalten nicht nur poppige Elemente, sondern auch Einflüsse aus verschiedensten Richtungen heutiger Popularmusik. Eben moderner, sehr gut hörbarer „Hang Pop !“, der für sich steht und ohne Beispiel ist.
Aber was ist überhaupt ein Hang ? Und wer steckt hinter diesem Projekt ? Der Reihe nach.
Hang & Bass:
Das großartige, melodische Instrument Hang kennen die meisten als Solo-Instrument aus den Fußgängerzonen großer Städte oder aus zahllosen „YouTube“-Videos. Es ist noch recht neu, da es erst im Jahr 2000 in der Stadt Bern (Schweiz) geschaffen wurde. Es besteht aus zwei Halbschalen mit Stahlblech und wird mit der Hand gespielt. Daher rührt auch der Name (Hang = berndeutsch für Hand). Auf der oberen Halbschale gruppieren sich sieben bis acht eingehämmerte Tonmulden um die Kuppe mit einem Grundton.
Noch heute wird das Hang von lediglich zwei Personen im „Hangbauhaus“ am Fluss Aare gefertigt. Dennoch gibt es mittlerweile zahllose Musiker in der ganzen Welt, die mit wachsender Begeisterung Hang spielen. Zwischenzeitlich wurden unzählige CDs mit Hang-Musik veröffentlicht. Ein großer Teil davon wurde als Solo-Werke eingespielt, und meist geht die Musik eher in eine „esoterische“, kontemplative Richtung.
Es ist eine Herausforderung, sich von diesen Pfaden zu lösen und mit dem Hang populäre Musik zu machen, sind doch die Möglichkeiten, die dieses außergewöhnliche Instrument bietet, aufgrund des geringen Tonumfangs auf den ersten Blick sehr beschränkt. Aber das Hang & Bass Project hat diese Herausforderung angenommen und schlägt mit seinem Album „Hang Pop !“ einen völlig anderen, aufregenden Weg ein.
Dieses in seiner Art einmalige (Studio-)Projekt wurde initiiert von dem Hamburger Hangspieler, Schlagzeuger und Theatermusiker Stefan Wiegand und dem Bassisten Thomas Maack, der immer öfter auch zur Jazzgitarre greift. Anfangs als Duo konzipiert, landeten beide bald bei einer Bandbesetzung. Auf ihrem Album mit 14 äußerst abwechslungsreichen, eingängigen Titeln werden sie von namhaften Musikern unterstützt, u.a. von der wunderbaren polnischen Sängerin Aneta Barcik, die u.a. schon bei JazzEssence und der NDR Big Band mitwirkte, dem virtuosen Jazzsaxofonisten Stefan Maus (u.a. Nils Gessinger Band, Hamburg Jazz Duo) und dem Top-Bassisten Martin Drees (spielte u.a. mit Pee Wee Ellis und Bobby Byrd).
Das Hang & Bass Project zeichnet sich insbesondere durch folgende Besonderheiten aus:
1. Das Hang und der E-Bass
Bereits im Jahre 2005, als sich die Wege der Musiker Stefan Wiegand und Thomas Maack nach langen Jahren wieder kreuzten, spielten sie ein Duett für Hang und Bass für ein (unveröffentlichtes) Album ein. Zwei Jahre später fanden sich beide zum Hang & Bass Project zusammen. Damit dürfte die Kollaboration zwischen diesen beiden Instrumenten eine der ersten überhaupt gewesen sein. Und so findet sich ein reines Duett-Stück für Hang und Bass auch auf dem vorliegenden Album wieder.
Der Bass im Hang & Bass Project legt nicht nur zusammen mit dem Hang das rhythmisch-melodische Fundament, sondern übernimmt des öfteren auch – ebenso wie das Hang – die Melodieführung oder unterlegt einen Song gitarrenartig mit Akkorden.
2. Das Hang in der Bandbesetzung
Durch die weitere Zusammenarbeit im Hang & Bass Project ergab es sich, dass auch Stücke für eine größere Bandbesetzung entstanden. Und so wurde das Hang nach und nach in den Kontext anderer Instrumente gestellt: Neben dem Bass kamen Schlagzeug, Percussion, Keyboards, Gitarre, Saxofon und - bei acht Stücken - Gesang hinzu. Noch heute ist die Verwendung des Hangs in einer Bandbesetzung eher ungewöhnlich. Die bekanntesten Beispiele für derartige Gruppen, die sich gelegentlich oder permanent des Hangs bedienen, kommen aus dem Weltmusikbereich (z.B. Hadouk Trio/Paris) oder auch dem Jazz (Portico Quartet/London). Nun ist das Hang endlich auch in der Welt der Popularmusik angekommen – mit dem Hang & Bass Project aus Hamburg.
3. Das Hang in der Popmusik
Tatsächlich ist der Ansatz des Hang & Bass Project, das Hang konsequent bei allen Spielarten heutiger Popularmusik einzusetzen, einzigartig. Die durchweg eingängigen, rhythmischen Eigenkompositionen des Albums wurden ausschließlich vom Hang inspiriert. Die einzelnen Songs und Instrumentalstücke des Albums enthalten nicht nur poppige Elemente, sondern auch Einflüsse aus Jazz, Funk, Latin, Triphop, Drum´n´ Bass, sogar eine Prise Rock sowie mitunter afrikanische und orientalische Elemente. Das Hang fügt sich wie selbstverständlich in die Musik ein. Es ist immer spürbar, spielt sich aber nie aufdringlich in den Vordergrund, da die Songdienlichkeit im Vordergrund steht.
4. Das Hang als melodieführendes Instrument
Da die gesamte Musik des Hang & Bass Project auf das Hang zugeschnitten ist, ergibt es sich wie von selbst, dass das Hang nicht nur als rhythmische Pattern lieferndes, sondern oft als melodieführendes oder den Gesang tragendes Instrument eingesetzt wird. Dies ist im Kontext eines Popmusik-Projekts beispiellos.
5. Das Hang in der Reduktion
Durch die überwiegende Beschränkung des Hang & Bass Project auf einfache, klare Hang-Melodien und wenige Pattern trotz teilweise komplexer Arrangements wird beim Zuhörer mit jedem Song die Neugier auf das Weiterhören geweckt. Auf diesem Wege wird Hang-Musik auch für eine sehr große Zuhörerschaft interessant und zugänglich.
Jeder Titel des Hang & Bass Project hat etwas ganz Besonderes und steht für sich. Jeder Titel hat auch eine ganz eigene Entstehungsgeschichte, die in einem aufwendig gestalteten, 20-seitigen Booklet auf englisch/deutsch kommentiert wird. Gleich der Opener des Albums „Prolog“ zeigt exemplarisch, wie „Hang Pop !“ klingen kann: groovy und mit luftig-leichtem Ohrwurm-Charakter. Weitere, durch die Stimme von Aneta Barcik veredelte Pop Songs wie „Broken Window“ und „Happy“ sind durchaus radiotauglich. Ein überraschendes Hörerlebnis, weil nie vorher mit dem Hang gehört, bieten die Hang Funk-Nummern „Funky Hang“ und „Hang Man Shuffle“. Beim funkig-jazzigen 9/4-Stück „Alle Neune“ weiß Martin Drees mit seinem Bass genauso zu überzeugen wie in der verblüffenden Verwandlung des populären Kinderlieds „Ich geh mit meiner Laterne“ in ein Hang Jazz Trio. Die Klasse des Saxofonisten Stefan Maus zeigt sich nicht nur bei beim „Jazztrain“ und den Funk-Nummern, sondern auch bei dem afrikanisch angehauchten „Chyulu Range“ und dem Oriental-Fusion-Stück „Oriental Mood“. Der erfahrene Gitarrist Uwe Splinter bringt sich u.a. beim Song „Why do you leave me now“ ein. Die zwei Initiatoren des Hang & Bass Project schließlich steuern u.a. im Pop Instrumental „Wedding Song“ und dem traumhaften „Raindrops“ Soli bei. Nach 13 Highlights schließt das Album mit einem wunderschönen Hang & Bass Duett, das auf die Anfänge des Hang & Bass Project verweist und zugleich in die Zukunft gerichtet ist, denn das nächste Album wird voraussichtlich wieder in kleinerer Besetzung eingespielt und sehr jazzig werden. Aber mehr sei hier noch nicht verraten…
Das Hang & Bass Project bereitet mit seiner – im wahrsten Sinne des Wortes – ausschließlich handgemachten, immer eingängigen Musik ein ungetrübtes Hörvergnügen für alle aufgeschlossenen Musikliebhaber. Und bei sehr großer Nachfrage ist nicht völlig ausgeschlossen, dass das Studio-Projekt mit einer Live-Band auf die Bühne kommt.
| Thomas Maack: | Basses & Guitar |
|---|---|
| Stefan Wiegand (Es We): | Hanghang, Drums, Perc., Vocals, Keyb. |
| Aneta Barcik: | Lead & Backing Vocals |
| Stefan Maus: | Tenor & Soprano Sax, Flute |
| Martin Drees: | Funky & Solo Bass |
| Uwe Splinter : | Solo & Rhythm Guitar |